Rentenklau? Faire Renten? Die Diskussion um den Umwandlungssatz im Netz!
Das Internet als Zünglein an der Waage?
Die heisse Phase des Abstimmungskampfes betreffend Anpassung des Umwandlungssatzes ist lanciert. Die „Schlacht“ um die zahlreichen, noch unentschlossenen Wählerinnen und Wähler ist in vollem Gang. Wer am Schluss den Sieg davontragen wird, entscheidet sich nicht zuletzt im Internet.
Die Firmen Netbreeze und DREIZWEIEINS beobachten die Entwicklung des Themas mit Hilfe modernster semantischer Webtechnologie seit Beginn des Jahres. Herausgekommen sind einige sehr interessante und teils auch unerwartete Ergebnisse, welche zu einem objektiveren Gesamtbild beitragen sollen. Soviel vorweg: Mit Ausnahme von Facebook zeichnet sich in Bezug auf das Internet ein ausgeglicheneres Bild als man aufgrund der bisher einzigen, publizierten Umfrage vermuten könnte.
Die Befürworter einer Anpassung des Umwandlungssatzes waren in deutschschweizer Online-News bisher deutlich präsenter, das heisst, sie wurden häufiger erwähnt als die Gegner.
Insgesamt brachten es die Befürworter auf 190, die Gegner auf 115 Nennungen. In der Westschweiz zeigt sich in Bezug auf die Präsenz in Online-News ein deutlich ausgeglicheneres Bild als in der Deutschschweiz – mit leichten Vorteilen für die Gegner einer Anpassung des Umwandlungssatzes. Die Anzahl relevanter Beiträge liegt in der Westschweiz deutlich tiefer als in der Deutschschweiz (64 Nennungen der Gegner, 62 der Befürworter).
Eine mögliche Interpretation: Das Thema interessiert in der Westschweiz generell weniger als in der Deutschschweiz. Die Debatte fand bisher überwiegend in der Deutschschweiz statt.
377 publizierte Dokumente
Seit dem 1. Januar 2010 wurden insgesamt 377 Dokumente via Online-News und Blogs publiziert. Spitzen traten selbstredend immer dann auf, wenn Befürworter oder Gegner in Form von Medienkonferenzen an die Öffentlichkeit getreten sind. Die grösste Spitze (mehr als 30 relevante Dokumente) erreichte die Publikation der Umfrage, welche vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund und der Gewerkschaft Unia in Auftrag gegeben wurde.
Ausgeglichene deutschschweizer Blogsphäre
In der deutschsprachigen Blogsphäre sind bisher insgesamt 76 Posts auszumachen, welche mehr oder weniger hälftig Befürwortern und Gegnern zugeordnet werden können.
Die Anzahl Posts darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Bloggern sehr oft um gut vernetzte Personen handelt, die sich eines Themas annehmen und direkt aktiv werden. Daher ist dieses Medium als Indikator sicherlich nicht zu unterschätzen.
Blogflaute in der Westschweiz
Gebloggt wird zum Thema Umwandlungssatz in der Westschweiz praktisch nicht – ob aus Desinteresse am Thema oder weil generell weniger gebloggt wird, kann nicht abschliessend beurteilt werden. Jedenfalls erachten Blogger aus der Westschweiz das Thema offenbar als nicht publikationswürdig, was ein allgemeines Desinteresse widerspiegeln könnte.
Der emotionale Begriff „Rentenklau“ funktioniert
Deutschsprachige Blogger benutzen das Schlagwort „Rentenklau“ ausgesprochen oft. In der Rangliste der häufigsten Begriffe findet sich „Rentenklau“ auf Rang fünf – gleich hinter den allgemein erklärenden Begriffen „Umwandlungssatz“, „Senkung Umwandlungssatz“ „Rente“ und „Pensionskassen“.
In Bezug auf Online-News zeigt sich ein etwas anderes Bild. Dort landet „Rentenklau“ auf Rang sieben. Was auffällt: Auf Rang sechs liegt der Begriff „Lebenserwartung“. Dies kann einerseits als Indiz einer ausgeglicheneren Berichterstattung interpretiert werden. Andererseits widerspiegelt sich darin der sehr kontrovers diskutierte Faktor „Lebenserwartung“.
SVP in Online-News am häufigsten erwähnt
Auf Seiten der meistgenannten Befürworter in Online-News führt überraschend die SVP das Feld an, gefolgt von der FDP (Blogsieger) und der CVP. Rang vier belegt economiesuisse. Anschliessend folgen der Versicherungsverband, die BDP und der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP.
In Bezug auf die Gegner werden SP, Unia, SGB, CSP, Grüne Partei und aufgrund interner, gegensätzlicher Positionen natürlich auch hier die SVP am häufigsten erwähnt.
Facebook fest in Gegnerhand
Gemessen an der Anzahl Gruppen und Fans haben die Gegner einer Anpassung des Umwandlungssatzes klar die Nase vorn, sprich, sie konnten bisher besser mobilisieren. Besonders auffallend: Während es in der Deutschschweiz auf Befürworterseite 1004 Fans gibt, sind in der Westschweiz überhaupt keine zu finden. Gegner-Fans gibt es in der Deutschschweiz 3057 und in der Westschweiz 1179 (Stand 8. Februar 2010 / die gleichen Personen können natürlich in mehreren Gruppen vertreten sein).
Das Brutto-Verhältnis beträgt also mehr als 4:1 zugunsten der Gegner. Ginge es nach Facebook, wäre die Sache längst entschieden. Übrigens dominiert auch auf Facebook das Schlagwort „Rentenklau“.
„Gezwitschert“ wird bisher kaum – Tendenz aber klar steigend
Die Twitter-Gemeinde interessiert sich im Rahmen des beobachteten Zeitraums bisher nicht sonderlich für die Umwandlungssatz-Abstimmung. Insgesamt wurden lediglich 44 Tweets verfasst. Die Tendenz ist aber klar steigend. Dies kann auf eine vermehrte Kampagnenaktivität der beteiligten Akteure zurückgeführt werden, beziehen doch sowohl Befürworter als auch Gegner Twitter in ihre Kampagnen aktiv mit ein. Die Spitze um den 6. Februar erklärt sich in erster Linie mit der medialen Information zur bisher einzigen, publizierten Bevölkerungsumfrage.
FAZIT:
Glaubt man der einzigen, bisher publizierten Umfrage, welche Vertreter der Gegnerschaft einer Anpassung des Umwandlungssatzes in Auftrag gegeben haben, würden per Ende Januar 40 Prozent Nein und nur gerade 12 Prozent Ja stimmen. 39 Prozent seien noch unentschlossen. Zu den besonders Unentschlossenen gehören generell die Westschweiz (48 Prozent), die Frauen (44 Prozent) und die jüngste Wählergruppe, so zu sagen die Generation Internet (51 Prozent).
Auch wenn die Präsenz der Befürworter in Online-News bisher grösser war als die der Gegner (positiv wie negativ), befinden sich die Gegner momentan in der deutlich stärkeren Position. Und in grösseren Kantonen wurde das Abstimmungsmaterial bereits versendet, was in Bezug auf die Schlussmobilisierung einiges erahnen lässt.
Der praktisch einzige Weg, wie die Befürworterschaft noch für ein knappes Rennen sorgen kann, besteht unserer Ansicht nach in einer gezielten Emotionalisierung des Themas.
Minarett-Abstimmung: Das Thema bewegt die Online-Welt immer noch
In der bisherigen Debatte um die Auswirkungen der Minarett-Initiative ist die Online-Welt ein wenig zu kurz gekommen. Zwar wurden diverse Berichte über die weltweite Medienresonanz veröffentlicht, welche sich allerdings praktisch ausschliesslich auf Medien ausserhalb des Internets bezogen. Grund genug für die beiden Unternehmen Netbreeze und DREIZWEIEINS, das ausgesprochen grosse und dynamische Online-Feld mittels semantischer Web-Technologie genauer unter die Lupe zu nehmen.
Seit dem 17. November 2009 wird das Internet mit Hilfe modernster Technologie der Firma Netbreeze aus Dübendorf systematisch nach verschiedenen politisch brisanten Themen abgesucht. Eines davon ist die Minarett-Initiative. Zu den untersuchten Quellen gehören Online-News (Internetportale von Medien), Blogs und Microblogs (Twitter). Die Suche erfolgt in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Arabisch.
Die ersten Ergebnisse werden heute zeitgleich mit einer Medienmitteilung kommuniziert. Der Politradar wird in Monatsabständen politisch brisante Themen näher beleuchten und Entwicklungen aufzeigen.
Enorme Dynamik
Was in Bezug auf die Auswirkungen der Minarett-Initiative als erste auffällt ist die enorme mediale Dynamik in der Online-Welt.
Wie der oben stehenden Grafik zu entnehmen ist, hatten die Online-Medien kurz vor der Abstimmung den Lead. Am Tag des Urnengangs hat Twitter die zahlenmässige Führung übernommen, gefolgt von Blogs und Online-Medien. Twitter ist anschliessend relativ schnell wieder auf ein tiefes Niveau abgeflacht, Online-Medien und Blogs blieben allerdings auf einem vergleichsweise hohen Stand von durchschnittlich fast 200 Publikationen pro Tag – ein klares Indiz für die Emotionalität des Themas. Es hält sich auch noch mehr als zwei Wochen nach der Abstimmung hartnäckig in der Online-Welt.
Anmerkung: Meistens handelt es sich bei den Twitter-Beiträgen um Verweise auf Online-News, Blogs oder Ähnliches. Microblogs können in diesem Kontext als Verstärker bestehender Inhalte gewertet werden.
Weiterlesen »
About Politradar
Auf www.politradar.net verfolgen wir mehr als ein Dutzend „heisse“ Politthemen durch die Weiten des Internets. Genauer gesagt beobachten wir online-Medien, Blogs und Microblogs in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Arabisch. Die Beobachtung läuft seit dem 17. November 2009.
Mit Hilfe semantischer Webtechnologie ist es möglich, jederzeit per Knopfdruck einen detaillierten und strukturierten Überblick über die schier endlosen Publikationen in der Online-Welt zu erhalten. Im Monatsabstand beleuchten wir die Entwicklung eines spezifischen Themas.
Der Politradar ermöglicht die gezielte Nutzung des weltweit grössten Informationsreservoirs und ist ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Firmen Netbreeze und DREIZWEIEINS GmbH.








